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September 2016
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Velberter Zeitung vom 25. Juni 1951
Zahlreiche Möbel verbrannten im Industriehof
Brandursache noch nicht geklärt - Wasserschäden im ganzen Gebäude
Frau über Seil und Leiter gerettet
Original -Zeitung vom Montag, 25. Juni 1951
In den gestrigen Nachmittagsstunden (15 Uhr) wurde die Freiwillige Feuerwehr zu einem Brand im Industriehof alarmiert. Nach dem Eintreffen des ersten Stoßtrupps stellte Brandmeister Schüngel fest, dass eine starke Rauchentwicklung Großalarm notwendig machte.
Bis zum Eintreffen weiterer Verstär-kungen machten sich die Wehrmänner an die ersten Löschaufgaben heran, die durch besagte starke Rauchentwicklung und die übergroße Hitze nicht ganz einfach waren. Inzwischen ertönten aus einem Fenster im Obergeschoß des brennenden Gebäudes Hilferufe einer etwa 35jährigen Frau, der der Weg ins Freie durch den starken Rauch abgeschnitten war. Sofort wurde eine zweiteilige Leiter herangeschafft und der Rettungsversuch eingeleitet. Als sich die Leiter für zu kurz erwies, nahm der Feuerwehrmann kurzentschlossen einen Strick zur Hilfeleistung , mit der die Frau bis zur und dann über die Leiter gerettet werden konnte.
Die Qualmentwicklung wurde immer stärker, so dass die Wehr die erste halbe Stunde nicht zum Brandherd vorrücken konnte. Der Qualm drang aus allen Fenstern und unter dem mit Pappe abgedeckten Dach hervor. Außer den Dutzenden von Zimmern und zahllosen Polstermöbeln befanden sich auf demselben Stockwerk noch große Vorräte an Papier und Pappen der Kartonagenfabrik Moses. Der starke Qualm bewirkte, dass das Feuer sich nicht offen entwickeln konnte. Zuletzt schlug man ein Loch durch das Dach und griff auch von oben her an. Ein erheblicher Teil des Möbellagers von Kampherm wurde vernichtet. Das Löschwasser drang dann durch die Decken in die anderen Stockwerke ein, so wurde auch in der Buchbinderei und im Lager der Firma Löhr noch erheblicher Schaden verursacht.
Auch die übrigen Firmen wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zur Zeit des Brandausbruchs befanden sich einige Taubenzüchter auf dem Speicher. Sie konnten über die Treppe entkommen, während Frau S., die im obersten Geschoß eine Handweberei betreibt, über den geschilderten Weg geborgen wurde. Die Brandursache ist im Augenblick noch nicht bekannt. Die Kriminalpolizei führt zur Stunde deshalb noch Untersuchungen durch. Das Feuer ist zweifellos in dem Vorraum des Möbellagers ausgebrochen. Um 12 Uhr mittags wurde das Lager noch von einer jungen Dame der Firma betreten, die zu dieser Zeit nichts wahrgenommen hat.
Unter Führung von Oberbrandmeister Hasselkuß wurde systematisch mit 3 B- und 6 C Leitungen dem Feuer zu Leibe gerückt. Da man jedoch im Innenangriff nicht vorwärts kam, wurden die Lösch-arbeiten über das Dach hinweg vorgetragen. Nach etwa 2 ½ stündiger angestrengter Arbeit war der Großbrand gelöscht. Außer der Feuerwehr waren auch die Sanitäter an der Brandstelle anwesend, während die Polizei für die Absperrung Sorge trug.
In diesem Zusammenhang sei einmal klargestellt, dass sich Außenstehende um die Brandbekämpfung und die Mittel, die zur Behebung einer Gefahr angewendet werden müssen, keine Sorge machen sollen. Unsere Wehrmänner sind in jahrzehntelanger Arbeit so geschult, dass man ihnen schon zutrauen kann, wie sie einen Brand zu löschen haben. Man sollte u.E. den Männern, die sich uneigennützig und selbstlos in den Dienst der Allgemeinheit stellen, diese Arbeit nicht noch schwerer machen, als sie an sich schon ist





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